GESTANK

 

Voller Schmutz ist die Stadt; seht ihr, Bewohner, nicht

all den Dreck der herum liegt? und den Taubenschiss

alter, widerlicher Tage –

heute stinkt er wie eh und je.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

VERGESSEN

 

Da ich dich sehe,

muss ich blind sein und

 

deine Stimme

darf ich nicht hören, doch

 

lieber taub sein,

als sie zu vermissen und

 

lieber nicht sein,

als dich zu vergessen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 DIVIDE ET IMPERA

 

i

Es wickelt sich Stacheldraht um den Kopf und nennt sich Christus. Ihr jubelt, denn der Abstieg beginnt.

ii

Ihr verhungert vor gedeckten Tischen, während es euch mit seiner Demut knechtet.

iii

Und plötzlich meint ihr, in der Dunkelheit Licht zu sehen und im Licht das Dunkle. 

iv

Jetzt regnet es Samenkörner, doch die Erde ist faul. 

v

Es heißt euch, Stacheldraht um alles zu wickeln, was ihr liebt. Freiheit macht krank, Stacheldraht ist heilsam.

vi

Und wenn ihr alles in Stacheldraht gewickelt habt, jeden Baum und jeden Fisch, und wenn ihr die Welt in Dunkelheit getaucht habt, flüchtet es.

vii

Ihr werdet es verteufeln und wieder aufbauen, was ihr zerstört habt. 

viii

Dann wird, für einen Augenblick, Friede einkehren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PUNKT ZWÖLF

 

Wind

über Dächern und

 

Wind

in den Straßen, im

 

Wind

flackern Fahnen, die

 

sind

voller Sehnsucht, der

 

Wind

ist die Zukunft, die Fahnen sind wir.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

THEOLOGIE

 

Gott ist böse, er schlug mich mit Freiheit. Ich fliehe vor der

Kirche ins Bordell und zurück.  

 

 

 

VERKLEBTE FEDERN

 

Friedenstauben, die eben sich erst eingenistet hatten,

Fand man in Fässern ertränkt, voller Öl.  

 

 

 

SEENOT

 

Rau sind die Wasser der Unvernunft – die Schiffe,

Welche darauf treiben in großer Not. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KUNST

 

Nebel am Morgen,

dann Sonne zu Mittag, und

Schauer am Abend und

traurige Nacht.

Vögel erreichen den Ort der gepflasterten Steine,

schreien vom Norden und ziehen ins Weite.

Laut sind die Tage und

still ist das Mahnmal, und

tief ist sein Schweigen, die

Statue steht hoch.

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AN DIE ELTERNGENERATION

 

Im Wasser unserer Unschuld

wascht ihr eure Hände und

 

unsere Rücken

tragen die Last eurer Schandtaten.

 

Was uns belangt, entscheidet ihr und

wir erleiden euren Hunger.

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

URZWEIFEL

 

Fällt der Regen

umsonst

ins Meer?